Erich Kästner Der Handstand auf der Loreley
Erich Kästner, der auch ein sehr bekannter Kinderbücher-Autor war, schrieb das Gedicht Der Handstand auf der Loreley im Jahr 1932.
Bereits in der ersten Strophe bezieht sich Kästner auf Heines Loreley-Gedicht,
in dem er die Loreley parodiert und als tatsächliche
Figur der Vergangenheit darstellt:
Die Loreley, bekannt als Fee und Felsen,
ist jener Fleck am Rhein, nicht weit von Bingen,
wo früher Schiffer mit verdrehten Hälsen,
von blonden Haaren schwärmend, untergingen.
Im Gegensatz zu den Gedichten von Heinrich Heine
und Clemens Brentano ist dieses Gedicht frech,
ironisch, heiter und
umgangssprachlich geschrieben.
Mit den ersten Sätzen der zweiten Strophe wird die jetzige Zeit beschrieben:
Wir wandeln uns. Die Schiffer inbegriffen.
Der Rhein ist reguliert und eingedämmt.
Durch den umgangssprachlichen Ausdruck Nichtsdestotrotz wird die dritte
Strophe eingeleitet, die den Loreley-Mythos als etwas
Steinzeitliches verhöhnt.
Die vierte Strophe bezieht sich auf die Überschrift: Der Turner macht
einen Handstand auf dem Felsen. Die Passagiere der
vorbeifahrenden Schiffe reagieren verängstigt.
In der sechsten Strophe hat das Gedicht seinen Höhepunkt: Weil der
Turner an die Loreley von Heinrich Heine denkt, wird er
traurig und stürzt vom Felsen in den Rhein.
Hier macht sich die Ironie Kästners bemerkbar, denn es ist nicht mehr
die Loreley, die die Menschen ins Verderben
führt, sondern allein der Gedanke an Heinrich
Heines Gedicht.
Die letzte Strophe wirkt angefügt durch das einleitende P. S.. Außerdem
wird hier Kästners ironische Haltung gegenüber dem
Loreley-Mythos deutlich. Er macht sich über den Mythos lustig.